Institut für Gesundheitsforschung und Bildung (IGB)

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Die Pflege der Dinge – Die Bedeutung von Objekten in Geschichte und gegenwärtiger Praxis der Pflege

Hintergrund

Dinge spielen in der alltäglichen Pflege von kranken, behinderten oder alten Menschen eine große Rolle. Vom Schnabelbecher bis zu innovativen potenziell vernetzten Technologien zur Unterstützung eines Lebens zu Hause (Ambient Assisted Living/„Smart Home“) – Gegenstände sind im pflegerischen Kontext unabdingbar. In ihnen materialisieren sich pflegerische, medizinische und alltagsweltliche Wissensbestände, die zur Herstellung von Pflege beitragen und gemeinsam mit dem Menschen Pflege produzieren.

Trotz der zunehmenden Bedeutung von Pflege in unserer Gesellschaft und der Wichtigkeit, die technischen Artefakten dabei zugeschrieben wird, kommt den Dingen der Pflege in grundlagenorientierten wissenschaftlichen Bezügen bisher kaum Aufmerksamkeit zu. So existieren für Deutschland keine Untersuchungen zur Bedeutung von Gegenständen in der Pflege der Gegenwart und Vergangenheit. Der Frage, was die Dinge über die Pflege (Konzepte, Modelle, gesellschaftlicher Auftrag, Selbstverständnis der Pflege, Praktiken des Arbeitsalltags) und die Rolle von Pflegenden und Pflege sowohl in ihrem beruflichen Umfeld als auch in unserer Gesellschaft aussagen, wurde bisher noch nicht nachgegangen. Es wurde noch nicht empirisch untersucht, wie das in Dingen eingeschriebene jeweils zeitgenössische Wissen und Verständnis von Pflege (und korrelierenden Aspekten wie Körper, Gesundheit, Krankheit, Wohlbefinden) pflegerisches Handeln ermöglicht oder beschränkt. Es fehlen für die Pflege in Deutschland umfassende Untersuchungen dazu, welchen Anteil Objekte an der Organisation von Pflege haben, wie sie Arbeit strukturieren, wie Menschen und Gegenstände interagieren und wie sich im Bereich der Pflege Handlungsfähigkeit wischen Gegenständen und Menschen aufteilt. Auch wurde bisher nur wenig beleuchtet, wie Dinge Beziehungenzwischen Pflegenden, PatientInnen, Angehörigen und/oder dem ärztlichen Personal herstellen und inklusive oder exklusive Settings (mit-)gestalten.

Ein Blick in die relevante deutsche Museumslandschaft zeigt ebenfalls: Die Objekte der Pflege bleiben häufig versteckt und unsichtbar. In Deutschland gibt es keine ausgewiesenen öffentlichen Sammlungen zur Pflege und ihrer Geschichte, denen ein wissenschaftliches Konzept und Struktur oder gar Forschungsmöglichkeiten und Ausstellungsflächen zugrunde lägen. Kleinere Sammlungen existieren zwar vereinzelt an Krankenhäusern. Sie werden jedoch in der Regel aus privater Initiative heraus unterhalten, sind meist wenig bekannt und selten mit pflegehistorischem bzw. museologischem Wissen ausgestattet. Auch gibt es bisher kaum Museen, welche die Pflege in Ausstellungen thematisieren. In deutschen Museen bleiben die Objekte der Pflege häufig versteckt: Sie finden sich zwar in zahlreichen renommierten medizinhistorischen Sammlungen. Allerdings fristen sie dort entweder ein unbeachtetes Dasein oder werden ausschließlich in einen ärztlichen Kontext gestellt.

Ziele

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt setzt sich zum Ziel, die Objekte der Pflege sichtbar zu machen. Dazu bündelt es Expertise aus Pflegewissenschaft, Sozial- und Organisationspädagogik, Gerontologie, Kultur- und Geschichtswissenschaften sowie Museumswissenschaft. Das grundlagenorientierte Forschungsprojekt will dazu beitragen, die Bedeutung der Dinge für die Herstellung von Pflege zu klären und damit einen Anteil leisten, die Forschungslücken zu schließen. Zentrale Fragestellung des Projekts ist: Welche Bedeutung kommt Dingen bei der Herstellung von Pflege zu und – umgekehrt – in welcher Weise materialisiert sich das Wissen der Pflege in den Dingen?

Laufzeit

2014 – 2017

Finanzierung

Förderung durch BMBF

Wissenschaftliche Leitung

Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse (Institut für Gerontologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg)

Projektpartner

Prof. Dr. Hartmut Remmers (Arbeitsgruppe Pflegewissenschaft der Universität Osnabrück)
Prof. Dr. Wolfgang Schröer (Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim)
Prof. Dr. Thomas Schnalke (Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité)